Equestria Girls: Alles halb so schlimm?

Zwei Wochen ist es her, dass der zu gleichen Teilen gespannt und gefürchtet erwartete neue Film aus Hasbros “My Little Pony”-Franchise in die Kinos kommt: Equestria Girls – der Übergang der Serie von Ponies zu Menschen. Der Film wird bald im Podcast noch einmal ausführlich Thema sein, aber hier sind schon mal ein paar Gedanken dazu.

Zunächst einmal die Frage: ist Equestria Girls eine totale Katastrophe, die das Ansehen der Serie für immer beschädigt? Nein, das auf keinen Fall. Der Film ist sogar ziemlich gut. Wie gut? Rotten Tomatoes gibt 85%, IMDB 6,6 von 10 Sternen. Ich würde sagen, er liegt irgendwo dazwischen, mit einer leichten Tendenz zum besseren.

Regie führte Jayson Thiessen, das Drehbuch stammt von Megan McCarthy und die Synchronisation wird vom bewährten Team übernommen. Das sind so weit gute Vorzeichen. Die Handlung selbst kommt tatsächlich viel High School-Klischees aus. Zentral geht es um den Konflikt zwischen Sunset Shimmer und Twilight Sparkle und den Kampf um das magische Element of Harmony. Megan McCarthy hat hier wirklich gute Arbeit geleistet, die schlimmsten Befürchtungen weitestgehend auszuräumen – auch wenn einige Details erahnen lassen, wie knapp Equestria Girls einem schlimmeren Schicksal entkommen ist.

Es gibt viel Augenzwinkern, etwa wenn Twilight und Fluttershy ihre Begegnung aus der ersten Folge “Friendship is Magic” erneut erleben, Rarity Cosplay-Accesoires verteilt oder Spike daran erinnert, dass hier nicht alle mit “everypony” angesprochen werden. Bei den äußerst fröhlichen Songs von Daniel Ingram fühlt Equestria Girls sich dann fast an, wie eine Zeichentrickversion von Glee oder High School Musical.

Aber der Hauptgrund, warum Equestria Girls funktioniert ist etwas, das bei The Round Stable schon ausführlich begründet wurde: die Charaktere sind gut, völlig unabhängig ob sie Menschen oder Ponies sind. Es gibt sechs unterschiedliche Hauptfiguren mit guten und schlechten Seiten, die Befreundet sind und sich ergänzen, aber auch noch genug Raum für Konflikte untereinander lassen. Die viel Fläche zur Identifikation bieten und mit denen sich gute Geschichten erzählen lassen. Und die dazu noch von den selben großartigen Sprecherinnen vertont werden. Die Figuren, die wir über die letzten Jahre als Ponys kennengelernt haben sind auch in der Teenager-Version noch da.

Aber es ist lange nicht alles gut, selbst wenn der Film alles in allem unterhaltsam geworden ist. Die ersten 10 Minuten in Equestria sind ganz wunderbar animiert und wirkten noch einmal ein Stück polierter als in der Doppelfolge “A Canterlot Wedding“, in der die Optik ja bereits auf Kinoniveau gehoben wurde. Die Animationsqualität lässt schlagartig nach, sobald Twilight durch einen magischen Spiegel in der Welt der “Canterlot High” ankommt. Die menschlichen Versionen sehen einfach nicht gut aus und entsprechend ungelenk wirken die Animationen – was vermutlich auch mit Erfahrungswerten zu tun hat, die dem Team für menschlichen Animationen noch schlicht fehlen.

Die gleichförmigen, stereotypen und übersexualisierten Figuren mit kurzen Röcken, großen Augen und schmalen Hüften wirken Anfangs befremdlich und hinterlassen eine gewisse kognitive Dissonanz mit den Figuren, die sie Darstellen. Dabei sind durchaus andere Körperformen und -größen sowie verschiedene Kleidungsstile möglich, wie diverse Figuren im Hintergrund beweisen. Selbst Rainbow Dash wird auf einem alten Foto in Hosen gezeigt. Ponies sind bunt, in diversen gesättigten Pastellfarben. In Equestria Girls wurden die Farben deutlich blasser beibehalten, was wohl dazu führen soll, dass die Figuren trotz des cartoonigen Stils “menschlicher” wirken. Das führt aber letztendlich dazu, dass alle Figuren weiß sind.

Wie unendlich viel schönere, diversere, echtere, einfallsreichere Artworks von “vermenschlichten” Ponies es gibt, kann eins beispielsweise im Tumblr Ponies of Color sehen – oder auf unendlich vielen anderen Zeichnungen auf Tumblr oder DeviantART. An dieser Stelle leidet der Film massiv spürbar unter den Vorgaben von Hasbro – anders ist dieser schwache Stil bei so einem talentierten Team nicht zu erklären.

Wie viel von Lauren Fausts Idee (“there’s no wrong way to be a girl”) in Equestria Girls noch übrig ist, wird wohl die Zukunft zeigen. Das Design der Figuren wird sich vermutlich nicht ändern und kurze Szenen im Film, wie Twilights Flirt oder die Makeup-Szene vor dem großen Schulball lassen weiterhin schlimme Dinge befürchten, auch wenn es dem Film noch gelungen sein mag, diese Stereotypen zu vermeiden.

Es wurde schon angedeutet, dass es von Twilight eine Version in der menschlichen Welt gibt. Diese wird vermutlich bald in der Canterlot High aufschlagen und damit eine Serie der Equestria Girls einläuten. Ob diese dann weiterhin parallel vom selben Team wie “Friendship is Magic” produziert wird wäre dem Franchise zu wünschen. Wenn der Marketing-Slogan zum Film sagt, “the magic of friendship never changes”, dann hören wir in Wirklichkeit die Mach_erinnen der Serie, die  trotz der Kritik etwas versprechen: “The magic of Friendship is Magic doesn’t change.” Ob das reicht werden wir sehen.

Veröffentlicht von

Daniel

Daniel, genannt Sofa, hat die Ponytime mit einem Tweet eher versehentlich ins Leben gerufen und ist für Produktion und Veröffentlichung der Folgen verantwortlich. Ab und zu schreibt er auf seinem Blog Raummaschine über Ponies und Podcastet auch über andere Themen.

Kommentar verfassen