Was haben Ponys mit Drosseln zu tun?

Vielleicht habt ihr es schon mitbekommen, nachdem Martin es bei seinem Podcast Fanboys letztens schon ankündigte: die Deutsche Telekom möchte eigenmächtig die Spielregeln für das Internet umstellen. Zukünftig behält sich die Telekom das Recht vor, den Internetanschluss auf einen Bruchteil seiner möglichen Geschwindigkeit zu drosseln, wenn eine bestimmte Datenmenge durch die Leitung gegangen ist. Das kennen wir so schon von den Tarifen beim mobilen Internet auf dem Smartpone.

Das ganze ist sehr bedenklich und möglicherweise der Vorbote einer düsteren Zukunft. Einer Zukunft, in der das (leider nicht gesetzlich festgeschriebene) Gebot der Netzneutralität von den Anbietern mit Füßen getreten wird. Warum schreibe ich das hier? Netzpolitik hat jetzt erst einmal nichts mit bunten Zeichentrick-Ponys zu tun. Sehr wohl aber mit Podcasts. Und damit auch direkt mit euch, die ihr die Ponytime hört und uns, die wir diese Sendung machen.

Ich bin mit meinem DSL-Anschluss kein Kunde der Telekom. Wäre ich einer, hätte ich dort vermutlich einen DSL-Anschluss mit einer Geschwindigkeit von 16.000 kbit/s. In diesem Vertrag gäbe es dann die Klausel, dass mein Anschluss ab 75 Gigabyte Traffic auf einen absoluten Bruchteil der eigentlichen Geschwindigkeit reduziert werden. Letzten Monat habe ich insgesamt 125 Gigabyte Daten hoch- und runtergeladen. Ein nicht unbedeutender Teil wird mit dem Aufnehmen, austauschen, hoch- und runterladen von Podcasts zu tun gehabt haben.

Eine Staffel “Friendship is Magic” in HD? Etwa 10 Gigabyte. Die “Bronies” Dokumentation? Knapp 4 Gigabyte.  Eine Serienstaffel und ein Film, also nicht so furchtbar viel, lasten das Limit allein schon schon zu fast einem Fünftel aus . Dazu kommen Podcasts, Musik, Bilder, Programme und der ganze Kram rundherum. Das läppert sich, und selbst wenn nur ein Bruchteil der Kund*innen der Telekom diese Grenze erreichen schwebt der drohende Rückschritt in die Internet-Steinzeit über jedem Download.

Was aber noch viel schlimmer ist, als diese künstliche Verknappung der Ressource “Internet” ist die Zukunft, in die die Telekom damit steuern will: eine Zukunft, in der die nicht jeder Inhalt im Internet gleich behandelt wird. Spotify bekommt jetzt schon eine Sonderbehandlung von der Telekom und wird dafür kräftig zahlen. Zukünftig wird es mehr solcher Deals geben. YouTube wird dann anders behandelt als Vimeo und Spiele-Downloads von Steam anders als solche vom Server der Entwickler-Teams selbst.

All die Podcasts, die wunderbaren Artworks, die Musik, die Videospiele und zuletzt sogar Zeichentrickfilme. Die ganze Kreativität, die dieses Fandom hervorgebracht hat steht auf dem Spiel – wenn nicht akut, dann doch langfristig. Das Internet hat all dies möglich gemacht. Aber nur dadurch, dass das Internet eben nicht zwischen denen unterscheidet, die es sich leisten können, und denen, die das eben nicht können. Das Internet nach Vorstellung der Telekom ist eins, in dem nur gesehen wird, wer es sich leisten kann.

Schreibt der Telekom. Schreibt ihr, warum die neuen Tarife eine schlechte Idee sind und bombardiert sie mit Pony-GIF-Animationen. Wenn ihr Kunde bei der Telekom seid, schaut euch nach einem anderen DSL-Anbieter um, der nicht drosselt, und wechselt. Und schreibt Politikern. Erzählt den Abgeordneten, die für euch im Bundestag sitzen, warum die Netzneutralität wichtig ist und gesetzlich geschützt werden muss. Und sagt euren Freunden und Bekannten bescheid, was die Telekom da vor hat.

Es ist gut vorstellbar, dass andere Internet-Anbieter bald nachziehen, wenn die Telekom mit ihrer Tarifänderung durchkommt. Das wäre ein Dammbruch und eine Gefahr für das Internet, wie wir es kennen. Und gerade “My Little Pony” hat gezeigt, wie viel aus der Freiheit, die das Internet ermöglicht, entstehen kann.

Eine ausführliche Liste mit Links, Kommentaren und Hintergründen zum Thema Telekom-Drosselung und Netzneutralität in Deutschland habe ich hier angelegt.

Veröffentlicht von

Daniel

Daniel, genannt Sofa, hat die Ponytime mit einem Tweet eher versehentlich ins Leben gerufen und ist für Produktion und Veröffentlichung der Folgen verantwortlich. Ab und zu schreibt er auf seinem Blog Raummaschine über Ponies und Podcastet auch über andere Themen.

3 Gedanken zu „Was haben Ponys mit Drosseln zu tun?“

  1. Guter Blogeintrag! Ich befürchte nur, dass diese Tarif-Umstellung auch die anderen Anbieter durchführen werden, wenn sie sehen, dass der Otto-Normal Benutzer sich abzocken lässt. Deutschland ist, so ist meine Einschätzung, teilweise noch extrem technikskeptisch und in Sachen Internet-Infrastruktur relativ rückständig. Es kann nicht sein, dass ländlich gelegene Orte nicht die Möglichkeit haben, Breitbandinternet zu bekommen, nur weil die Telekom zu bequem ist, Geld in die Hand zu nehmen und zu investieren. Insgesamt eine traurige Entwicklung.

    1. Ich befürchte, dass es der Telekom wirklich nicht einmal um die Zusatzoptionen der so genannten “Vielsurfer” geht, sondern wirklich um die Deals mit YouTube und Co. Dass von den ordentlichen Summen, die dabei rumkommen dürften, viel in den Ausbau von DSL oder gar LTE geht, wage ich zu bezweifeln.

      Zu der ganzen Situation rund ums Internet in Deutschland hab ich mit Matthias auch einen eigenen Podcast aufgenommen: http://raummaschine.net/podcast/18/

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